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Wie viel Werbebudget eine offene Stelle braucht

Zu wenig Werbebudget ist teurer als gar keines: Die Kampagne läuft, kostet Geld und lernt nichts über sich selbst.

Dr. Gerhard Reisinger Geschäftsführer SocialTalents

· aktualisiert 02.06.2026 · 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Erfahrungswert: 20 bis 30 Euro pro Tag und Stelle. Unter 10 Euro passiert zu wenig, um überhaupt etwas zu lernen.
  • Das Werbebudget geht an die Plattform, nicht an die Agentur. Wer ein Pauschalangebot bekommt, sollte fragen, welcher Teil davon Werbebudget ist.
  • Bei 20 bis 30 Euro am Tag sind je Stelle rund 2.000 bis 2.500 Einblendungen täglich üblich, daraus 20 bis 25 Bewerbungen im Monat.
  • Das nötige Budget sinkt im Verlauf: Was nicht funktioniert, wird abgeschaltet. Eine betreute Kampagne wird über Wochen günstiger, nicht teurer.
  • Der teuerste Fehler ist nicht ein zu kleines Budget, sondern ein Budget, das läuft, während niemand die Bewerbungen bearbeitet.

„Wie viel muss ich denn ausgeben?" ist die zweithäufigste Frage im Erstgespräch. Die ehrliche Antwort beginnt mit einer Unterscheidung, die viele Angebote verwischen.

Drei Posten, die nicht dasselbe sind#

Eine Recruiting-Kampagne hat immer drei Kostenbestandteile, und nur einer davon ist Werbebudget:

Postenwohin das Geld gehtCharakter
Aufbau / Setupan die Agentureinmalig
Laufende Betreuungan die Agenturmonatlich
Werbebudgetan die Plattform (Meta)täglich, verbrauchsabhängig

Der dritte Posten ist der, um den es hier geht. Er ist der einzige, der direkt in Sichtbarkeit umgerechnet wird — und er ist der, der in Pauschalangeboten am häufigsten untergeht.

Praktische Prüffrage an jeden Anbieter: „Wie viel von dem Betrag ist Werbebudget?" Wenn die Antwort ausweichend ist oder „das ist alles inklusive" lautet, weißt du nicht, wie viel Sichtbarkeit du kaufst. Weitere solche Fragen stehen in Wie du eine Recruiting-Agentur prüfst.

Der Erfahrungswert: 20 bis 30 Euro am Tag#

Für eine Stelle, in einer Region, bei üblicher Zielgruppengröße. Das ist kein Tarif, sondern ein Wert aus unseren Kampagnen — und er hat eine einfache Begründung.

Bei 20 bis 30 Euro Tagesbudget liegt der übliche Verlauf je Stelle bei:

StufeGrößenordnung
Einblendungen in der Region2.000–2.500 pro Tag
Bewerbungen20–25 im Monat
davon fachlich passendrund 15
Vorstellungsgespräche5–7
Kandidaten, mit denen man sich einig wird3–4

Das sind Erfahrungswerte, keine Zusage — die Spanne ist in beide Richtungen groß und hängt an Beruf, Region und Angebot.

Warum unter zehn Euro nichts passiert#

Der wichtigere Teil der Antwort. Unterhalb von etwa zehn Euro am Tag hat eine Kampagne zwei Probleme:

Zu wenig Einblendungen, um zu lernen. Der Algorithmus optimiert die Ausspielung anhand der Reaktionen. Bei sehr kleinem Budget dauert es Wochen, bis genug Reaktionen zusammenkommen — und in dieser Zeit läuft die Kampagne im Blindflug.

Zu wenig Daten, um Varianten zu vergleichen. Wenn fünf Anzeigenvarianten laufen und täglich nur wenige hundert Einblendungen zusammenkommen, kannst du nach einer Woche nicht sagen, welche besser ist. Der Unterschied liegt im Rauschen.

Die Konsequenz ist unangenehm: Eine unterfinanzierte Kampagne ist nicht „eine kleinere Kampagne". Sie ist eine Kampagne, die Geld kostet und nichts über sich selbst erfährt.

Warum das Budget im Verlauf sinkt#

Ein Punkt, der selten erwähnt wird: Eine laufend betreute Kampagne wird über die Wochen effizienter.

In den ersten Tagen laufen mehrere Motive und Texte parallel — das kostet, weil auch die schlechten Varianten Budget verbrauchen. Nach vier bis sieben Tagen zeigt sich, was zieht. Was nicht funktioniert, wird abgeschaltet; das gesamte Budget fließt in das, was wirkt.

Dazu kommt: Sobald die Stelle besetzt ist, endet die Ausgabe. Mehrere unserer Kunden haben Kampagnen vorzeitig beendet, weil sie früher besetzt hatten als geplant — das nicht verbrauchte Budget bleibt beim Kunden, weil es an die Plattform geht, nicht an uns.

Wann mehr Budget nicht hilft#

Drei Fälle, in denen zusätzliches Geld ins Leere läuft:

Die Zielgruppe ist gesättigt. Wenn im gewählten Radius nur wenige hundert Menschen für den Beruf in Frage kommen und alle die Anzeige mehrfach gesehen haben, kauft mehr Budget dieselben Menschen ein weiteres Mal. Was dann hilft, ist ein größerer Radius oder ein anderes Argument — nicht mehr vom Gleichen.

Der Bewerbungsweg ist zu lang. Wenn das Formular einen Lebenslauf verlangt, verlierst du die Interessenten nach dem Klick. Mehr Budget kauft dann mehr Klicks und gleich viele Bewerbungen.

Niemand ruft zurück. Der teuerste Fall. Budget, das Bewerbungen erzeugt, die liegen bleiben, ist verlorenes Geld plus beschädigter Ruf (Die ersten 72 Stunden).

Wie du dein Budget herleitest#

Statt einer Pauschale eine Rechnung, die du selbst anstellen kannst:

  1. Was kostet dich die Stelle pro Monat, solange sie offen ist? Umsatzausfall, Überstunden, Leihpersonal — die Rechnung steht in Was eine unbesetzte Stelle wirklich kostet.
  2. Wie lange darf die Besetzung dauern? Daraus ergibt sich der Zeitrahmen.
  3. Was ist ein Bruchteil davon? Wenn eine offene Servicestelle im Monat mehrere tausend Euro kostet, ist ein Tagesbudget von 25 Euro — also rund 750 Euro im Monat — eine überschaubare Größe.

Wenn diese Rechnung nicht aufgeht, ist das ein legitimes Ergebnis: Dann ist die Stelle möglicherweise nicht dringend genug für eine Kampagne. Diese Antwort geben wir im Erstgespräch regelmäßig.

Und die zweite Größe für den Vergleich: Was würde derselbe Erfolg auf einem anderen Weg kosten? Ein Personalvermittler rechnet üblicherweise einen Prozentsatz des Jahresgehalts ab — je Besetzung, bei der nächsten Stelle wieder. Personalleasing kostet einen Verrechnungssatz deutlich über dem Eigenlohn, und zwar laufend, solange die Person da ist. Ein eigener Kanal kostet einmalig, und was dabei entsteht, bleibt im Betrieb.

Häufige Fragen

Wie viel kostet eine Recruiting-Kampagne insgesamt?

Das hängt von Anbieter und Umfang ab. Was du in jedem Angebot trennen solltest, sind die drei Posten: einmaliger Aufbau, laufende Betreuung und Werbebudget. Nur der dritte kauft Sichtbarkeit, und er geht an die Plattform.

Was ist das Mindestbudget für eine Recruiting-Anzeige?

Praktisch etwa zehn Euro pro Tag und Stelle. Darunter kommen zu wenig Einblendungen zusammen, um Varianten zu vergleichen oder den Algorithmus lernen zu lassen — die Kampagne kostet dann Geld, ohne besser zu werden.

Bekomme ich nicht verbrauchtes Werbebudget zurück?

Werbebudget wird verbrauchsabhängig an die Plattform abgerechnet. Wird eine Kampagne vorzeitig beendet, entstehen ab diesem Zeitpunkt keine weiteren Kosten mehr.

Bringt ein höheres Budget schnellere Ergebnisse?

Bis zu einem gewissen Punkt ja — mehr Budget heißt mehr Einblendungen pro Tag. Ab dem Punkt, an dem die Zielgruppe gesättigt ist, bringt zusätzliches Geld nur Wiederholungen bei denselben Menschen.

Meta Ads Kosten Praxis

Geschrieben von

Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerhard Reisinger

Promovierter Automatisierungsforscher (TU Wien), davor Fraunhofer Austria. Baut seit 2022 Recruiting-Kampagnen und die KI dahinter.

  • Dissertation TU Wien 2022 — „Entwicklung eines Vorgehensmodells zur automatisierten Informationsversorgung visueller Werkerführungssysteme"
  • 318 Zitationen, h-Index 6 (Google Scholar, Stand 30.07.2026)
  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer Austria — MMAssist II, Pilotfabrik Industrie 4.0 der TU Wien
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