Jobportal, Personalvermittler oder Social Recruiting?
· aktualisiert 30.07.2026 · 4 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
- Jobportal: günstig, einfach, erreicht aber ausschließlich Menschen, die gerade aktiv suchen.
- Personalvermittler: höchste Trefferwahrscheinlichkeit bei seltenen Profilen, dafür der mit Abstand teuerste Weg pro Einstellung.
- Social Recruiting: erreicht Beschäftigte, die nicht suchen; braucht dafür Werbebudget und einen schnellen Bewerbungsprozess.
- Die Entscheidung hängt an zwei Fragen: Sucht meine Zielgruppe aktiv? und Wie oft brauche ich diese Position?
- In der Praxis schließen sich die drei nicht aus. Der häufigste sinnvolle Aufbau: Portal als Grundlast, Feed für die schwer besetzbaren Stellen.
Die Frage kommt in fast jedem Erstgespräch, und wir beantworten sie ungern mit „natürlich wir". Deshalb hier der Vergleich, den wir auch intern verwenden — mit den Fällen, in denen ein anderer Weg besser ist.
Die drei Wege nebeneinander#
| Jobportal | Personalvermittler | Social Recruiting | |
|---|---|---|---|
| Erreicht | aktiv Suchende | gezielt angesprochene Kandidaten | Beschäftigte, die nicht suchen |
| Kosten | niedrig, pro Anzeige | hoch, meist Prozentsatz des Jahresgehalts | Aufbau + Betreuung + Werbebudget |
| Kostenform | je Anzeige | je Besetzung, jedes Mal neu | einmalig, der Prozess bleibt dir |
| Zahlungsart | im Voraus | meist bei Erfolg | laufend während der Kampagne |
| Zeit bis zu Kandidaten | Tage bis Wochen | Wochen bis Monate | 5–12 Tage bis zu ersten Qualifizierten |
| Aufwand für dich | gering | sehr gering | mittel: Rückrufe binnen 72 Stunden |
| Stärke bei | Standardpositionen mit Bewerberüberhang | seltenen und hochbezahlten Profilen | breiten Berufsgruppen mit Fachkräftemangel |
| Schwäche bei | Berufen ohne aktiv Suchende | Positionen mit niedrigem Gehalt | sehr kleinen Zielgruppen |
Wann das Jobportal der richtige Weg ist#
Es gibt ihn, und wir sagen das auch:
- Wenn deine Zielgruppe tatsächlich sucht. Bei Berufseinstieg, Ausbildung, Praktikum und in Branchen mit Bewerberüberhang ist das der Fall. Dann ist ein Portal schneller und billiger als alles andere.
- Wenn du eine Grundlast hast. Betriebe, die dauerhaft mehrere Stellen ausschreiben, fahren mit einem Portalvertrag oft günstig — als Basis, nicht als einzigen Kanal.
- Wenn die Stelle nicht dringend ist. Ein Portal kostet wenig und darf lange laufen.
Die Grenze ist klar benennbar: Ein Portal erreicht niemanden, der nicht sucht. Bei Köchen, Pflegefachkräften, Elektrikern und Kfz-Technikern ist das die überwiegende Mehrheit der Zielgruppe.
Wann ein Personalvermittler der richtige Weg ist#
Auch das gibt es, und häufiger, als man in einem Agenturblog erwarten würde:
- Bei sehr seltenen Profilen. Wenn im Umkreis fünfzig Menschen für die Position in Frage kommen, ist Streuung sinnlos. Dann braucht es jemanden, der diese fünfzig kennt und einzeln anspricht.
- Bei Führungspositionen mit hohem Gehalt. Dort steht die Vermittlungsprovision in einem anderen Verhältnis zum Nutzen als bei einer Servicekraft.
- Wenn Diskretion nötig ist. Eine öffentliche Anzeige signalisiert eine Veränderung im Betrieb. Manchmal ist genau das unerwünscht.
Der Preis dafür ist erheblich — Vermittlungshonorare bewegen sich üblicherweise im Bereich mehrerer Monatsgehälter. Bei Positionen im unteren und mittleren Lohnbereich ergibt diese Rechnung selten Sinn.
Und der Unterschied, der in der Angebotsphase gern untergeht: Das Honorar fällt bei jeder weiteren Besetzung erneut an. Wer dreimal im Jahr dieselbe Position sucht, zahlt dreimal. Ein eigener Kanal wird bei jeder weiteren Suche billiger, weil Argumente, Motive und Bewerbungsprozess schon stehen.
Dasselbe gilt für Personalleasing und Zeitarbeit: Dort ist der Verrechnungssatz deutlich höher als der Eigenlohn, er läuft weiter, solange die Person im Betrieb ist — und die Person gehört rechtlich nicht zu dir. Als Überbrückung sinnvoll, als Dauerlösung teuer.
Wann Social Recruiting der richtige Weg ist#
- Wenn deine Zielgruppe beschäftigt ist und nicht sucht. Das ist der Kernfall.
- Wenn die Zielgruppe breit genug ist. Service, Küche, Pflegeassistenz, Handwerk, Produktion, Verkauf — überall dort, wo im Radius einige hundert bis tausende Menschen den Beruf ausüben.
- Wenn du wiederkehrenden Bedarf hast. Der aufgebaute Prozess — Argumente, Motive, Bewerbungsweg — bleibt dir und trägt die nächste Suche mit.
- Wenn du schnell reagieren kannst. Ohne Rückrufe binnen 72 Stunden verpufft der Vorteil.
Und die Fälle, in denen wir abraten: sehr kleine Zielgruppen, kein Werbebudget, keine Kapazität für Rückrufe. Ausführlich in Wenn Social Recruiting nicht funktioniert.
Die zwei Fragen, die entscheiden#
Statt einer Empfehlung zwei Fragen, die du selbst beantworten kannst:
1. Sucht meine Zielgruppe gerade aktiv? Grobe Gegenprobe: Sind Menschen mit dieser Qualifikation in deiner Region üblicherweise arbeitslos? Bei Küche, Pflege, Handwerk und Technik lautet die Antwort fast immer nein. Dann scheidet das Portal als alleiniger Weg aus.
2. Wie groß ist meine erreichbare Zielgruppe? Zähl die Betriebe im Radius, die dieselbe Tätigkeit beschäftigen, mal übliche Teamgröße. Einige hundert bis tausende Menschen: Feed funktioniert. Wenige Dutzend: Direktansprache.
Aus diesen beiden Antworten ergibt sich der Weg fast von selbst — und in vielen Fällen ist es eine Kombination.
Wie eine Kombination aussieht#
Der Aufbau, den wir bei Kunden mit wiederkehrendem Bedarf am häufigsten sehen:
- Portal für die Positionen, bei denen es Suchende gibt: Lehrstellen, Aushilfen, Berufseinstieg. Kostet wenig, läuft nebenher.
- Feed-Kampagne für die zwei bis drei Positionen, die regelmäßig schwer zu besetzen sind. Dort liegt der Schmerz und dort lohnt der Aufwand.
- Vermittler für den Einzelfall, der wirklich selten ist — Betriebsleitung, Spezialqualifikation.
Wer alle drei gleichzeitig für dieselbe Stelle einsetzt, zahlt dreimal für dieselbe Besetzung. Wer sie nach Stellentyp trennt, nutzt jeden dort, wo er stark ist.
Häufige Fragen
Was ist günstiger: Jobportal oder Social Recruiting?
Pro Anzeige ist das Portal günstiger. Pro Einstellung hängt es davon ab, ob deine Zielgruppe aktiv sucht — wenn nicht, ist die Portalanzeige zwar billig, führt aber zu keiner Besetzung, und dann ist sie der teurere Weg.
Kann ich beides gleichzeitig nutzen?
Ja, sinnvollerweise für unterschiedliche Positionen. Für dieselbe Stelle beides parallel zu schalten, erzeugt vor allem doppelte Arbeit bei der Bewerberbearbeitung.
Was kostet ein Personalvermittler?
Üblich sind Honorare im Bereich mehrerer Monatsgehälter der besetzten Position, meist als Prozentsatz des Jahresgehalts. Das rechnet sich bei hochbezahlten und seltenen Profilen, selten bei Positionen im unteren und mittleren Lohnbereich.
Was ist mit der Bundesagentur für Arbeit beziehungsweise dem AMS?
Als kostenloser zusätzlicher Kanal immer sinnvoll. Als alleiniger Weg trifft er dieselbe Einschränkung wie jedes Portal: Er erreicht Menschen, die gemeldet sind und suchen — nicht die, die beschäftigt sind.
Geschrieben von
Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerhard Reisinger
Promovierter Automatisierungsforscher (TU Wien), davor Fraunhofer Austria. Baut seit 2022 Recruiting-Kampagnen und die KI dahinter.
- Dissertation TU Wien 2022 — „Entwicklung eines Vorgehensmodells zur automatisierten Informationsversorgung visueller Werkerführungssysteme"
- 318 Zitationen, h-Index 6 (Google Scholar, Stand 30.07.2026)
- Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer Austria — MMAssist II, Pilotfabrik Industrie 4.0 der TU Wien