Wie du eine Recruiting-Agentur prüfst, bevor du zahlst
· aktualisiert 14.07.2026 · 3 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
- Der Markt ist unübersichtlich: In unserer eigenen Wettbewerbsrecherche haben wir 318 bestätigte Social-Recruiting-Agenturen im DACH-Raum gezählt.
- Die neun Fragen unten prüfen nicht Sympathie, sondern Nachprüfbarkeit — jede hat eine gute und eine schlechte Antwort.
- Die wichtigste: „Wie viel von dem Betrag ist Werbebudget?" Wer darauf ausweicht, verkauft dir Sichtbarkeit, die du nicht beziffern kannst.
- Zweitwichtigste: „Zeig mir eine Kampagne, die schlecht gelaufen ist." Wer keine hat, hat entweder wenige geschaltet oder erzählt nicht alles.
- Auch bei Garantien lohnt der Blick ins Kleingedruckte — dort stehen die Mitwirkungspflichten, die sie aufheben.
Der Markt für Social Recruiting ist in wenigen Jahren stark gewachsen. Bei einer eigenen Recherche haben wir 318 bestätigte Agenturen im DACH-Raum gezählt, die Recruiting über soziale Netzwerke anbieten. Ein erheblicher Teil davon kommt aus dem Kreativbereich — Foto, Video, Werbung — und hat Recruiting angehängt, als es zum Thema wurde.
Wie unterscheidet man? Nicht am Auftritt, nicht an der Zahl der Follower und schon gar nicht an Bewertungen. Sondern daran, wie ein Anbieter auf präzise Fragen antwortet.
Die folgenden neun Fragen sind so formuliert, dass wir sie selbst bestehen müssen. Stell sie uns.
1. „Wie viel von dem Betrag ist Werbebudget?"#
Gute Antwort: eine Aufschlüsselung in einmaligen Aufbau, laufende Betreuung und Werbebudget — mit dem Hinweis, dass das Werbebudget an die Plattform geht, nicht an die Agentur.
Warnsignal: „Das ist alles inklusive." Dann weißt du nicht, wie viel Sichtbarkeit du kaufst, und kannst kein Angebot mit einem anderen vergleichen (Wie viel Werbebudget eine Stelle braucht).
2. „Zeig mir eine Kampagne, die schlecht gelaufen ist."#
Gute Antwort: ein konkretes Beispiel mit Zahlen und einer Erklärung, woran es lag.
Warnsignal: „Bei uns läuft eigentlich alles gut." Jeder, der viele Kampagnen geschaltet hat, hat schwache dabei. Wer keine nennen kann, hat entweder wenige geschaltet oder erzählt selektiv. Auf unserer eigenen Referenzseite sind die Kampagnen mit einstelligen Bewerberzahlen deshalb ausdrücklich mit ausgewiesen.
3. „In welcher Sonderkategorie läuft meine Kampagne?"#
Gute Antwort: „Beschäftigung" — mit der Erklärung, dass dort Alter, Geschlecht und enger Umkreis als Zielkriterien gesperrt sind.
Warnsignal: ein Versprechen von zielgruppengenauem Ausspielen nach Alter oder Beruf. Das gibt es in dieser Kategorie nicht (Kein Hyper-Targeting für Stellenanzeigen).
4. „Wem gehört das Werbekonto?"#
Gute Antwort: dir, oder zumindest die Zusage, dass du jederzeit Einblick bekommst und die Kampagnendaten mitnehmen kannst.
Warnsignal: Alles läuft über ein Agenturkonto ohne Einblick. Dann siehst du nie, wie viel tatsächlich für dich ausgegeben wurde — und beim Wechsel bleibt nichts bei dir.
5. „Wie viele Motive und Texte laufen parallel?"#
Gute Antwort: eine zweistellige Zahl an Kombinationen, mit einem Bewertungszeitpunkt nach vier bis sieben Tagen.
Warnsignal: ein Motiv, ein Text. Dann gibt es keine Vergleichsbasis, und niemand kann sagen, warum etwas funktioniert hat oder nicht.
6. „Was passiert, wenn die Stelle nach zwei Wochen besetzt ist?"#
Gute Antwort: Kampagne wird beendet, das nicht verbrauchte Werbebudget fällt nicht an.
Warnsignal: Eine Mindestlaufzeit, die unabhängig vom Erfolg weiterläuft. Mehrere unserer Kunden haben Kampagnen vorzeitig beendet — das sollte selbstverständlich sein.
7. „Welche Zahlen bekomme ich zu sehen, und wie oft?"#
Gute Antwort: Einblendungen, Bewerbungen, Kosten je Bewerbung — mindestens wöchentlich, und aus der Plattform selbst, nicht aus einer Aufbereitung.
Warnsignal: ein monatlicher Report mit Erfolgsmeldungen ohne Rohzahlen.
8. „Was ist der häufigste Grund, warum eure Kampagnen scheitern?"#
Gute Antwort: eine ehrliche, und sie betrifft fast immer den Kunden — zu langsame Rückrufe, zu langer Bewerbungsweg, keine Entscheidung. Ein Anbieter, der das benennt, wird dich vorher darauf hinweisen.
Warnsignal: „Sie scheitern nicht."
9. „Gebt ihr mir Kunden aus meiner Branche zum Anrufen?"#
Gute Antwort: ja, mit Namen und Nummer. Nicht nur nachlesbare Zitate, sondern Menschen, die man fragen kann.
Warnsignal: ausschließlich Zitate auf der eigenen Website, deren Urheber nicht erreichbar sind.
Was diese Liste nicht prüft#
Sie prüft Nachprüfbarkeit, nicht Qualität der Arbeit. Ein Anbieter kann alle neun Fragen sauber beantworten und trotzdem mittelmäßige Motive bauen.
Was sie zuverlässig aussortiert, sind zwei Gruppen: die, die die Mechanik nicht kennen — und die, die darauf setzen, dass du sie nicht kennst. Nach unserer Erfahrung ist das der größere Teil des Problems.
Und wenn dir jemand auf diese Fragen ausweichend antwortet, ist das keine Geschmacksfrage. Es ist Information.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine seriöse Social-Recruiting-Agentur?
An überprüfbaren Antworten: aufgeschlüsselte Kosten inklusive Werbebudget, Einblick ins Werbekonto, Rohzahlen statt aufbereiteter Reports, und mindestens ein Beispiel für eine Kampagne, die nicht funktioniert hat.
Was kostet Social Recruiting bei einer Agentur?
Das variiert stark. Wichtiger als der Gesamtbetrag ist die Aufschlüsselung in einmaligen Aufbau, laufende Betreuung und Werbebudget — nur der dritte Posten kauft Sichtbarkeit, und er geht an die Plattform.
Sollte ich einer Agentur mit Erfolgsgarantie den Vorzug geben?
Nicht automatisch. Entscheidend sind die Mitwirkungspflichten, an die die Garantie geknüpft ist. Wenn sie sachlich sind, ist die Garantie in Ordnung; wenn sie praktisch nicht erfüllbar sind, ist sie ein Verkaufsargument ohne Wert.
Wie lange sollte ich mich vertraglich binden?
So kurz wie möglich beim ersten Mal. Wer nach einer Kampagne zufrieden ist, kann verlängern. Eine lange Bindung vor dem ersten Ergebnis verlagert das Risiko vollständig auf dich.
Geschrieben von
Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerhard Reisinger
Promovierter Automatisierungsforscher (TU Wien), davor Fraunhofer Austria. Baut seit 2022 Recruiting-Kampagnen und die KI dahinter.
- Dissertation TU Wien 2022 — „Entwicklung eines Vorgehensmodells zur automatisierten Informationsversorgung visueller Werkerführungssysteme"
- 318 Zitationen, h-Index 6 (Google Scholar, Stand 30.07.2026)
- Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer Austria — MMAssist II, Pilotfabrik Industrie 4.0 der TU Wien