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Die beste Zeit, einen Bewerber anzurufen, ist 13 bis 14 Uhr

Wir haben 49.794 eigene Anrufe ausgewertet. Das Ergebnis widerspricht der verbreitetsten Regel im Vertrieb — und macht Rückrufe deutlich einfacher zu planen.

Kurz gesagt

  • Aus 49.794 eigenen Anrufen ausgewertet: die beste Erreichbarkeit liegt in der Stunde zwischen 13 und 14 Uhr (45,9 Prozent).
  • Der Wochentag hat praktisch keinen Effekt. Die verbreitete Regel „Dienstag und Donnerstag sind die besten Tage" ließ sich in unseren Daten nicht bestätigen.
  • Praktische Folge: Wer auf den richtigen Tag wartet, verschiebt nur. Der richtige Tag ist heute.
  • Die Zahlen stammen aus B2B-Telefonaten, nicht aus Bewerberanrufen — die Übertragung ist plausibel, aber keine Messung.
  • Branchenspezifisch schlägt allgemein: In Gastronomie und Pflege richtet sich die Erreichbarkeit nach dem Dienstplan, nicht nach dem Bürorhythmus.

Über die beste Anrufzeit kursieren viele Regeln. Die meisten stammen aus Vertriebsratgebern und werden weitergereicht, ohne dass jemand sie an Daten geprüft hat.

Wir hatten die Daten und haben es geprüft.

Was ausgewertet wurde#

Grundlage sind 49.794 Anrufe aus unserem eigenen Vertrieb, mit Zeitstempel und Ergebnis. Ausgewertet wurde, in welchem Anteil der Fälle jemand tatsächlich ans Telefon ging — aufgeschlüsselt nach Uhrzeit und Wochentag.

Zwei Einschränkungen gehören dazu, bevor die Zahl kommt:

Es sind B2B-Anrufe, keine Bewerberanrufe. Die Übertragung auf Rückrufe an Kandidaten ist plausibel, aber sie ist nicht gemessen. Wir kennzeichnen das hier, statt es zu verschweigen.

Erreichbarkeit ist nicht Gesprächsqualität. Was im Gespräch selbst passieren sollte, steht im Leitfaden fürs erste Telefonat.

Gemessen wurde ausschließlich, ob jemand abhebt — wer erreicht wird, führt damit noch lange kein gutes Gespräch.

Das Ergebnis#

45,9 %
Erreichbarkeit zwischen 13 und 14 Uhreigene Auswertung über 49.794 Anrufe ::: Die Stunde nach dem Mittag ist die beste — und zwar deutlich. Die naheliegende Erklärung: Es ist die Zeit, in der Menschen weder in einer Besprechung noch im Tiefbetrieb sind, aber schon oder noch am Arbeitsplatz. ## Die überraschendere Erkenntnis Der Wochentag spielt praktisch keine Rolle. Das widerspricht der am weitesten verbreiteten Regel im Vertrieb — „montags ruft niemand gerne an, freitags erreicht man niemanden, Dienstag und Donnerstag sind die besten Tage". In unseren Daten war der Unterschied zwischen den Wochentagen so klein, dass er für die Planung keine Rolle spielt. Die praktische Konsequenz ist die wertvollere Erkenntnis dieses Beitrags: Wer auf den richtigen Tag wartet, verschiebt nur. Bei Bewerbern kostet das direkt Kandidaten, weil die Halbwertszeit einer Bewerbung kurz ist (Die ersten 72 Stunden). ## Warum wir dieser Zahl vorsichtig trauen Ein Nachsatz, der zur Ehrlichkeit gehört: Wir haben bei einer früheren, kleineren Auswertung mit rund 7.000 Anrufen Befunde gehabt, die belastbar aussahen — enge Konfidenzintervalle, klare Unterschiede. Bei der Prüfung an der größeren Datenmenge hielten drei von fünf nicht stand. Der Grund war nicht die Stichprobengröße im üblichen Sinn, sondern Klumpung: Viele Anrufe entfielen auf wenige Personen und wenige Kampagnen. Bei wiederholten Messungen zählt die Zahl der Objekte, nicht die Zahl der Messungen. Deshalb steht hier ein Erfahrungswert mit Herkunftsangabe und keine Prozentzahl mit Nachkommastelle für jede Tagesstunde. ## Was für Bewerber zusätzlich gilt Die Bürozeit-Logik greift bei vielen Zielgruppen nicht. Wer im Schichtbetrieb arbeitet, hat einen anderen Tagesablauf:

Wie du das praktisch nutzt#

Der Rahmen drumherum steht in Die ersten 72 Stunden — die Uhrzeit nützt nichts, wenn zwischen Bewerbung und erstem Versuch fünf Tage liegen.

  1. Ein fixes Zeitfenster im Kalender, jeden Werktag. Für die meisten Betriebe ist 13 bis 14 Uhr ein guter Standard, für Gastronomie eher 15 bis 16.30 Uhr.
  2. Nicht auf den richtigen Tag warten. Es gibt keinen.
  3. Beim zweiten und dritten Versuch die Tageszeit wechseln. Wer dreimal um 13 Uhr anruft, erreicht dreimal dieselbe Lücke im Tagesablauf.
  4. Zwischen den Versuchen eine kurze Nachricht mit Name, Betrieb und dem Angebot eines Rückrufzeitpunkts.

Und der Punkt, der über allem steht: Die beste Uhrzeit nützt nichts, wenn zwischen Bewerbung und erstem Versuch fünf Tage liegen.

Häufige Fragen

Wann erreicht man Bewerber am besten telefonisch?

Nach unserer eigenen Auswertung ist die Stunde zwischen 13 und 14 Uhr die mit der besten Erreichbarkeit. Bei Schichtberufen richtet sich das Fenster nach dem Dienstplan — in der Gastronomie etwa zwischen Mittag- und Abendservice.

An welchem Wochentag sollte man anrufen?

An dem, an dem die Bewerbung eingegangen ist. Über knapp 50.000 Anrufe hinweg war der Wochentag praktisch ohne Effekt — die verbreitete Regel „Dienstag und Donnerstag" ließ sich nicht bestätigen.

Wie oft sollte ich es versuchen, wenn niemand abhebt?

Fünf Versuche in sieben Tagen, zu verschiedenen Tageszeiten, dazwischen eine kurze Nachricht. Wer nach einem Versuch aufgibt, verliert überdurchschnittlich viele Beschäftigte — und das ist die Gruppe, die man erreichen will.

Ist eine Nachricht per WhatsApp in Ordnung?

Als Ergänzung zwischen zwei Anrufversuchen ja, sofern der Kandidat seine Mobilnummer angegeben hat. Als Ersatz für den Anruf nicht — der Rückruf ist der Punkt, an dem sich Interesse in ein Gespräch verwandelt.

Telefonat Praxis Daten

Geschrieben von

Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerhard Reisinger

Promovierter Automatisierungsforscher (TU Wien), davor Fraunhofer Austria. Baut seit 2022 Recruiting-Kampagnen und die KI dahinter.

  • Dissertation TU Wien 2022 — „Entwicklung eines Vorgehensmodells zur automatisierten Informationsversorgung visueller Werkerführungssysteme"
  • 318 Zitationen, h-Index 6 (Google Scholar, Stand 30.07.2026)
  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer Austria — MMAssist II, Pilotfabrik Industrie 4.0 der TU Wien
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