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Handwerk: 45 Bewerbungen für einen Malerbetrieb

Handwerksbetriebe suchen oft dieselben Leute wie die Industrie nebenan — und verlieren, weil sie ihre eigenen Vorteile nicht nennen.

Kurz gesagt

  • Ein Malerbetrieb hat über eine Feed-Kampagne 45 Bewerbungen bekommen, bei rund 11.500 erreichten Menschen — Handwerk, kein Gastro.
  • Im Handwerk konkurrierst du nicht mit anderen Handwerksbetrieben, sondern mit der Industrie in der Region: geregelte Schichten, Kantine, Betriebsrat.
  • Was dagegen zieht, sind Dinge, die ein Industriebetrieb nicht bieten kann: kurze Wege, keine Montage, eigenes Fahrzeug, echte Verantwortung.
  • Der häufigste Anzeigenfehler im Handwerk: Anforderungen auflisten und die Arbeitsbedingungen weglassen.
  • Realistisch ist im Handwerk eine kleinere, aber deutlich passgenauere Bewerberzahl als in der Gastronomie.

Handwerk gilt als der schwierigste Bereich für Personalsuche, und in einer Hinsicht stimmt das: Die Zielgruppen sind kleiner als in Gastronomie oder Handel. Ein Malerbetrieb sucht nicht „Mitarbeiter", sondern Maler und Lackierer — und davon gibt es im Umkreis von 30 Kilometern eine überschaubare Zahl.

Trotzdem funktioniert es, und zwar aus einem Grund, der leicht zu übersehen ist: Fast alle diese Menschen arbeiten gerade irgendwo. Sie suchen nicht. Aber sie sind erreichbar.

Der Fall#

Ein Malerbetrieb, gesucht wurden Maler und Lackierer. Die Kampagne lief im Feed, in der Region, mit üblichem Tagesbudget.

45
Bewerbungen bei 11.534 erreichten MenschenMalerbetrieb, aus dem Werbekonto ::: Die Zahlen stammen unverändert aus dem Werbeanzeigenmanager; die Screenshots dazu liegen öffentlich auf unserer Referenzseite. Was daran bemerkenswert ist, ist nicht die Höhe — in der Gastronomie sind dreistellige Zahlen häufiger —, sondern das Verhältnis: 45 Bewerbungen aus einer Zielgruppe, die man auf einem Jobportal kaum zu Gesicht bekommt. ## Gegen wen du im Handwerk tatsächlich antrittst Das ist der Punkt, an dem die meisten Anzeigen falsch aufgesetzt sind. Ein Betrieb schreibt seine Anzeige gegen die anderen Handwerksbetriebe in der Region. Der Kandidat vergleicht aber mit etwas anderem. Ein Gastronom aus dem Raum Stuttgart hat das für seine Branche so beschrieben: Eine Zeitungsanzeige gehe „inmitten von Daimler, Bosch und wie sie alle heißen komplett unter". Im Handwerk gilt dasselbe. Der Maler, den du suchst, hat die Wahl zwischen deinem Betrieb und einem Industriejob mit: - geregelter Schicht statt Baustellenzeiten - Kantine, Betriebsrat, Tarifvertrag - planbarem Feierabend - oft mehr Grundgehalt Gegen diese Liste gewinnst du nicht mit „leistungsgerechter Bezahlung". Du gewinnst mit dem, was der Industriebetrieb strukturell nicht hat. ## Was im Handwerk zieht Aus den Kampagnen, die wir im Handwerk geschaltet haben, sind es immer wieder dieselben Punkte — und sie kosten den Betrieb meist wenig:

Was realistisch ist#

Im Handwerk sind die Bewerberzahlen niedriger als in der Gastronomie — die Zielgruppen sind kleiner. Dafür ist die Trefferquote höher: Wer sich als Elektriker auf eine Elektrikerstelle bewirbt, ist in der Regel Elektriker.

Ein Kunde mit einer Kfz-Werkstatt hat das nach seiner Kampagne so zusammengefasst: Drei Leute eingestellt, damit ausgelastet, würde es jederzeit wieder machen. Drei Einstellungen sind keine spektakuläre Zahl. Für eine Werkstatt sind sie ein Jahr Arbeit weniger.

Der ausführliche Fall dazu steht in Kein Gastrobetrieb: drei Einstellungen in einer Kfz-Werkstatt.

Der Teil, der nach der Kampagne kommt#

Handwerksbetriebe haben eine Eigenheit, die Kampagnen häufiger scheitern lässt als in anderen Branchen: Der Chef ist tagsüber auf der Baustelle und abends müde. Rückrufe passieren „am Wochenende".

Das funktioniert nicht. Ein Geselle, der sich Dienstagabend beworben hat, hat bis Samstag zwei andere Angebote. Wer eine Kampagne startet, sollte vorher festlegen, wer anruft und wann — zwanzig Minuten am Tag reichen, aber sie müssen im Kalender stehen. Warum das der entscheidende Punkt ist, steht in Die ersten 72 Stunden.

Häufige Fragen

Funktioniert Social Recruiting auch für Handwerksbetriebe?

Ja. Die Bewerberzahlen sind niedriger als in der Gastronomie, weil die Zielgruppen kleiner sind, dafür ist die fachliche Trefferquote höher. Entscheidend ist, wie viele Menschen mit dem passenden Beruf im gewählten Radius leben.

Wie viele Bewerbungen kann ein Handwerksbetrieb erwarten?

Das hängt stark am Beruf. Für Maler, Elektriker oder Kfz-Mechaniker in einer mittelgroßen Region sind zweistellige Zahlen im Monat üblich. Für Meisterstellen und sehr spezielle Qualifikationen deutlich weniger — dort ist Direktansprache oft der bessere Weg.

Was ist das stärkste Argument in einer Handwerksanzeige?

Erfahrungsgemäß alles, was mit Zeit zu tun hat: keine Montage, kurze Anfahrten, planbarer Feierabend, eigenes Fahrzeug. Gehalt allein reicht selten, weil die Industrie in der Region diesen Vergleich meist gewinnt.

Lohnt sich eine Kampagne für einen Betrieb mit fünf Mitarbeitern?

Rechnerisch dann, wenn eine unbesetzte Stelle Aufträge kostet. Bei kleinen Betrieben ist genau das häufig der Fall — ein fehlender Geselle heißt abgelehnte Aufträge. Die Rechnung dazu steht in Was eine unbesetzte Stelle wirklich kostet.

Handwerk Kundenerfolg Stellenanzeige

Geschrieben von

Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerhard Reisinger

Promovierter Automatisierungsforscher (TU Wien), davor Fraunhofer Austria. Baut seit 2022 Recruiting-Kampagnen und die KI dahinter.

  • Dissertation TU Wien 2022 — „Entwicklung eines Vorgehensmodells zur automatisierten Informationsversorgung visueller Werkerführungssysteme"
  • 318 Zitationen, h-Index 6 (Google Scholar, Stand 30.07.2026)
  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer Austria — MMAssist II, Pilotfabrik Industrie 4.0 der TU Wien
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