Handwerk: 45 Bewerbungen für einen Malerbetrieb
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Kurz gesagt
- Ein Malerbetrieb hat über eine Feed-Kampagne 45 Bewerbungen bekommen, bei rund 11.500 erreichten Menschen — Handwerk, kein Gastro.
- Im Handwerk konkurrierst du nicht mit anderen Handwerksbetrieben, sondern mit der Industrie in der Region: geregelte Schichten, Kantine, Betriebsrat.
- Was dagegen zieht, sind Dinge, die ein Industriebetrieb nicht bieten kann: kurze Wege, keine Montage, eigenes Fahrzeug, echte Verantwortung.
- Der häufigste Anzeigenfehler im Handwerk: Anforderungen auflisten und die Arbeitsbedingungen weglassen.
- Realistisch ist im Handwerk eine kleinere, aber deutlich passgenauere Bewerberzahl als in der Gastronomie.
Handwerk gilt als der schwierigste Bereich für Personalsuche, und in einer Hinsicht stimmt das: Die Zielgruppen sind kleiner als in Gastronomie oder Handel. Ein Malerbetrieb sucht nicht „Mitarbeiter", sondern Maler und Lackierer — und davon gibt es im Umkreis von 30 Kilometern eine überschaubare Zahl.
Trotzdem funktioniert es, und zwar aus einem Grund, der leicht zu übersehen ist: Fast alle diese Menschen arbeiten gerade irgendwo. Sie suchen nicht. Aber sie sind erreichbar.
Der Fall#
Ein Malerbetrieb, gesucht wurden Maler und Lackierer. Die Kampagne lief im Feed, in der Region, mit üblichem Tagesbudget.
Was realistisch ist#
Im Handwerk sind die Bewerberzahlen niedriger als in der Gastronomie — die Zielgruppen sind kleiner. Dafür ist die Trefferquote höher: Wer sich als Elektriker auf eine Elektrikerstelle bewirbt, ist in der Regel Elektriker.
Ein Kunde mit einer Kfz-Werkstatt hat das nach seiner Kampagne so zusammengefasst: Drei Leute eingestellt, damit ausgelastet, würde es jederzeit wieder machen. Drei Einstellungen sind keine spektakuläre Zahl. Für eine Werkstatt sind sie ein Jahr Arbeit weniger.
Der ausführliche Fall dazu steht in Kein Gastrobetrieb: drei Einstellungen in einer Kfz-Werkstatt.
Der Teil, der nach der Kampagne kommt#
Handwerksbetriebe haben eine Eigenheit, die Kampagnen häufiger scheitern lässt als in anderen Branchen: Der Chef ist tagsüber auf der Baustelle und abends müde. Rückrufe passieren „am Wochenende".
Das funktioniert nicht. Ein Geselle, der sich Dienstagabend beworben hat, hat bis Samstag zwei andere Angebote. Wer eine Kampagne startet, sollte vorher festlegen, wer anruft und wann — zwanzig Minuten am Tag reichen, aber sie müssen im Kalender stehen. Warum das der entscheidende Punkt ist, steht in Die ersten 72 Stunden.
Häufige Fragen
Funktioniert Social Recruiting auch für Handwerksbetriebe?
Ja. Die Bewerberzahlen sind niedriger als in der Gastronomie, weil die Zielgruppen kleiner sind, dafür ist die fachliche Trefferquote höher. Entscheidend ist, wie viele Menschen mit dem passenden Beruf im gewählten Radius leben.
Wie viele Bewerbungen kann ein Handwerksbetrieb erwarten?
Das hängt stark am Beruf. Für Maler, Elektriker oder Kfz-Mechaniker in einer mittelgroßen Region sind zweistellige Zahlen im Monat üblich. Für Meisterstellen und sehr spezielle Qualifikationen deutlich weniger — dort ist Direktansprache oft der bessere Weg.
Was ist das stärkste Argument in einer Handwerksanzeige?
Erfahrungsgemäß alles, was mit Zeit zu tun hat: keine Montage, kurze Anfahrten, planbarer Feierabend, eigenes Fahrzeug. Gehalt allein reicht selten, weil die Industrie in der Region diesen Vergleich meist gewinnt.
Lohnt sich eine Kampagne für einen Betrieb mit fünf Mitarbeitern?
Rechnerisch dann, wenn eine unbesetzte Stelle Aufträge kostet. Bei kleinen Betrieben ist genau das häufig der Fall — ein fehlender Geselle heißt abgelehnte Aufträge. Die Rechnung dazu steht in Was eine unbesetzte Stelle wirklich kostet.
Geschrieben von
Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerhard Reisinger
Promovierter Automatisierungsforscher (TU Wien), davor Fraunhofer Austria. Baut seit 2022 Recruiting-Kampagnen und die KI dahinter.
- Dissertation TU Wien 2022 — „Entwicklung eines Vorgehensmodells zur automatisierten Informationsversorgung visueller Werkerführungssysteme"
- 318 Zitationen, h-Index 6 (Google Scholar, Stand 30.07.2026)
- Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer Austria — MMAssist II, Pilotfabrik Industrie 4.0 der TU Wien