Kein Gastrobetrieb: drei Einstellungen in einer Kfz-Werkstatt
· 3 Min. Lesezeit
Der Fall auf einen Blick
- Eine Kfz-Werkstatt bei Berlin suchte Mechaniker, Lackierer und Karosseriebauer — ausdrücklich kein Gastronomiebetrieb.
- Der Einwand des Inhabers vorher: „Ihr seid ja doch auf Gastronomie spezialisiert." Berechtigt, weil der Großteil unserer Kampagnen aus diesem Bereich kommt.
- Ergebnis: drei Einstellungen, danach nach eigener Auskunft ausgelastet.
- Der Fall zeigt, was übertragbar ist und was nicht: die Mechanik ja, die Bewerberzahlen nein.
- In technischen Berufen sind zweistellige Bewerberzahlen der Normalfall — und drei Einstellungen daraus ein sehr gutes Ergebnis.
Erfahrungen mit Social Recruiting im Handwerk sind schwerer zu finden als in der Gastronomie — und genau deshalb lohnt dieser Fall.
Der häufigste Einwand von Betrieben außerhalb der Gastronomie ist nicht der Preis, sondern die Spezialisierung. Er kam auch in diesem Fall, und er war berechtigt: Der überwiegende Teil unserer Kampagnen liegt in Gastronomie und Hotellerie.
Der Inhaber einer Kfz-Werkstatt bei Berlin hat es vor dem Start so formuliert:
Für uns war das eine Herausforderung, die relativ neu war — ihr seid ja doch auf Gastronomie spezialisiert. Die Frage war, über welches Portal man die Leute überhaupt sucht.
Inhaber, KFZ Teltow
Was gesucht wurde#
Kfz-Mechaniker, Lackierer und Karosseriebauer — drei Berufe, die alle eines gemeinsam haben: Wer sie ausübt, ist selten arbeitslos. Genau wie in der Küche.
Das ist der Punkt, an dem die Übertragbarkeit anfängt. Die Frage ist nicht, ob wir uns mit Kfz-Technik auskennen — das tun wir nicht besser als jeder andere. Die Frage ist, ob die Zielgruppe dieselbe Struktur hat: beschäftigt, nicht suchend, aber ansprechbar.
Bei Kfz-Berufen lautet die Antwort ja.
Das Ergebnis#
Aktuell habe ich drei Leute eingestellt und bin jetzt auch ausgelastet. Hat wunderbar geklappt — ich würde es jederzeit wieder machen und jedermann empfehlen.
Inhaber, KFZ Teltow
Drei Einstellungen. Das ist keine Zahl, mit der man auf einer Startseite wirbt. Für eine Werkstatt bedeutet sie: eine offene Baustelle weniger, mehr angenommene Aufträge, und der Chef steht nicht mehr selbst jeden Abend länger.
Was übertragbar ist — und was nicht#
Damit dieser Fall nicht als Beleg für „funktioniert überall" gelesen wird, hier die Unterscheidung, die wir auch im Erstgespräch treffen:
Übertragbar ist die Mechanik. In beiden Branchen gilt:
- Die Zielgruppe arbeitet gerade und sucht nicht.
- Sie ist abends am Handy erreichbar.
- Der Wechselgrund ist selten das Gehalt allein, sondern Arbeitsbedingungen.
- Das Tempo beim Rückruf entscheidet über das Ergebnis.
Nicht übertragbar sind die Zahlen (was im Kfz-Bereich realistisch ist). Ein Servicejob in einer Stadt hat eine Zielgruppe von mehreren tausend Menschen. Ein Karosseriebauer im selben Radius sind vielleicht zweihundert. Wer die Bewerberzahlen einer Gastro-Kampagne auf eine Werkstatt überträgt, wird enttäuscht — und zwar auch dann, wenn die Kampagne gut läuft.
Was sich im Gegenzug verbessert, ist die Trefferquote. Auf eine Küchenstelle bewirbt sich auch, wer noch nie in einer Küche stand. Auf eine Lackiererstelle praktisch nicht.
Weitere Branchen außerhalb der Gastronomie#
Damit dieser Fall nicht allein steht: In unserem Kundenbestand finden sich unter anderem Betriebe aus Logistik und Personaldienstleistung, aus dem Vertrieb, aus der Medizin, aus dem Immobilienbereich sowie Handwerks- und Industriebetriebe. Auf unserer Referenzseite sind mehrere davon mit Videointerview vertreten, und die Screenshots aus dem Werbekonto zeigen Kampagnen aus Logistik, Bau, Verwaltung und Gesundheitswesen nebeneinander.
Was daraus folgt, ist keine Allzuständigkeit. Es folgt, dass die Frage nicht „welche Branche" lautet, sondern „wie groß ist die Zielgruppe im Radius".
Was du aus dem Fall mitnehmen kannst#
- Branchenerfahrung einer Agentur ist weniger wert als die Struktur deiner Zielgruppe. Frag nicht, ob jemand schon Kfz-Kampagnen gemacht hat, sondern wie er deine Zielgruppengröße einschätzt und woran er das festmacht.
- Erwarte die Zahlen deiner Branche, nicht die aus einer Werbeanzeige. Drei Einstellungen können ein sehr gutes Ergebnis sein.
- Der Einwand ist berechtigt und gehört gestellt. Wenn ein Anbieter darauf ausweichend antwortet, ist das Information — die neun Prüffragen dazu stehen in Wie du eine Recruiting-Agentur prüfst.
Häufige Fragen
Funktioniert Social Recruiting auch außerhalb der Gastronomie?
Ja, wenn die Zielgruppe im erreichbaren Radius groß genug ist. Entscheidend ist nicht die Branche, sondern wie viele Menschen den gesuchten Beruf ausüben und ob sie überwiegend beschäftigt statt suchend sind.
Wie viele Bewerbungen sind in technischen Berufen realistisch?
In einer mittelgroßen Region üblicherweise zweistellige Zahlen im Monat. Die Zielgruppen sind kleiner als in der Gastronomie, dafür ist der Anteil fachlich passender Bewerbungen deutlich höher.
Braucht die Agentur Erfahrung in meiner Branche?
Hilfreich, aber nicht entscheidend. Wichtiger ist, ob sie deine Zielgruppengröße realistisch einschätzt und dir sagt, wenn eine Kampagne nicht der richtige Weg ist.
Kann ich mit dem Betrieb aus diesem Beitrag sprechen?
Wir geben im Erstgespräch gerne Referenzkunden aus deiner Branche und Region weiter — zum Anrufen, nicht nur zum Nachlesen. Das vollständige Interview liegt zudem öffentlich auf unserer Referenzseite.
Geschrieben von
Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerhard Reisinger
Promovierter Automatisierungsforscher (TU Wien), davor Fraunhofer Austria. Baut seit 2022 Recruiting-Kampagnen und die KI dahinter.
- Dissertation TU Wien 2022 — „Entwicklung eines Vorgehensmodells zur automatisierten Informationsversorgung visueller Werkerführungssysteme"
- 318 Zitationen, h-Index 6 (Google Scholar, Stand 30.07.2026)
- Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer Austria — MMAssist II, Pilotfabrik Industrie 4.0 der TU Wien