Sommersaison: wann die Kampagne starten muss
· aktualisiert 15.06.2026 · 4 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
- Startzeitpunkt für die Sommersaison: acht bis zehn Wochen vor Saisonbeginn — für einen Start Anfang Juni also Ende März.
- Der begrenzende Faktor ist nicht die Kampagnendauer, sondern die Kündigungsfrist der Kandidaten.
- Ab Mai suchen alle gleichzeitig: Dieselbe Sichtbarkeit kostet mehr und trifft auf eine bereits angesprochene Zielgruppe.
- Für Saisonkandidaten entscheiden drei Dinge: Unterkunft, Saisondauer, Dienstplan — Gehalt steht selten an erster Stelle.
- Die billigste Besetzung ist die, die du nicht ausschreiben musst: Rückkehrer der Vorsaison ansprechen, bevor die Kampagne startet.
Die Sommersaison beginnt je nach Region und Haus zwischen Mitte Mai und Ende Juni. Die meisten Betriebe fangen im Mai an zu suchen. Das ist der Moment, in dem alle anderen es auch tun — und in dem die guten Kandidaten längst zugesagt haben.
Die Rechnung rückwärts#
Für einen Saisonstart am 1. Juni:
| Schritt | Dauer | rückwärts gerechnet |
|---|---|---|
| Kampagne läuft, Bewerbungen kommen | 1–3 Wochen | ab Ende März |
| Telefonate, Zusagen | 1–2 Wochen | Mitte April |
| Kündigungsfrist beim aktuellen Arbeitgeber | 2–6 Wochen | Mai |
| Anreise, Unterkunft, Anmeldung | wenige Tage | Ende Mai |
Der entscheidende Posten ist die Kündigungsfrist. Wer heute in einem anderen Betrieb steht, kann nicht in zwei Wochen anfangen. Wer erst im Mai sucht, sucht damit automatisch in der Gruppe derer, die sofort können — und das ist nicht die Gruppe, die man sich aussucht.
Was im Mai passiert#
Zwei Effekte, beide direkt spürbar:
Die Ausspielung wird teurer. Werbeplätze werden versteigert. Wenn viele Betriebe dieselbe Zielgruppe ansprechen, steigt der Preis je Einblendung — dasselbe Budget kauft weniger Sichtbarkeit.
Die Zielgruppe ist gesättigt. Eine Servicekraft in einer Tourismusregion hat im Mai möglicherweise schon sechs Anzeigen gesehen und zwei Anrufe bekommen. Ende März wäre deine die erste gewesen.
Was Saisonkandidaten wirklich entscheiden#
Saisonstellen folgen anderen Regeln als Ganzjahresstellen. Drei Punkte entscheiden häufiger als das Gehalt:
1. Unterkunft — die wichtigste Angabe der ganzen Anzeige (warum). Gibt es ein Zimmer, was kostet es, teilt man es, wie weit ist es vom Betrieb? Wer das nicht in der Anzeige beantwortet, wird gefragt — und verliert dazwischen Zeit und Kandidaten. Für Kandidaten von außerhalb ist es die erste Frage überhaupt.
2. Saisondauer und Perspektive. Bis wann läuft die Saison? Gibt es eine Verlängerung, die Wintersaison im selben Haus, eine Ganzjahresstelle? Für viele ist Planungssicherheit über die Saison hinaus wertvoller als fünfzig Euro mehr.
3. Dienstplan in der Hochsaison. Hier trennt sich dein Betrieb von den anderen — und hier steht in den meisten Anzeigen nichts. „Zwei fixe freie Tage, auch im August" ist ein Argument, das man überprüfen kann.
Die billigste Besetzung: Rückkehrer#
Bevor eine Kampagne startet, gehört ein Anruf erledigt — und zwar bei allen, die in der Vorsaison da waren und gut waren.
Das klingt selbstverständlich und passiert selten. Wer im Oktober eine Saisonkraft verabschiedet, ohne über die nächste Saison zu sprechen, fängt im März wieder bei null an. Ein Haus in Tirol hat uns berichtet, dass zwei Servicekräfte in der zweiten Saison noch da waren, dazu die Frühstückskellnerin — nicht wegen einer Kampagne, sondern weil gefragt wurde.
Praktisch:
- Beim Abschied fragen, nicht Monate später. „Wie sieht es bei dir nächstes Jahr aus?" kostet dreißig Sekunden.
- Im Januar erinnern, mit einem konkreten Angebot, nicht mit einer allgemeinen Anfrage.
- Erst danach die Kampagne planen — dann weißt du, wie viele Stellen tatsächlich offen sind.
Ein Zeitplan für die Sommersaison#
| Zeitpunkt | Was ansteht |
|---|---|
| Januar | Rückkehrer der Vorsaison anrufen, Bedarf festlegen |
| Ende März | Kampagne für die Kernpositionen starten |
| Mitte April | Zusagen für Führungspositionen abschließen |
| Mai | Nachbesetzung, kurzfristig verfügbare Kräfte, Quereinsteiger |
| Juni | Kampagne beenden, sobald besetzt |
Der letzte Punkt ist kein Detail: Eine Kampagne, die nach der Besetzung weiterläuft, kostet Budget und produziert Bewerbungen, die niemand mehr beantwortet — einer der sieben häufigsten Fehler.
Wenn es schon Mai ist#
Dann verschiebt sich die Zielgruppe, nicht die Methode:
- Saisonprofis, die von der Wintersaison kommen und ohnehin zwischen zwei Stellen sind
- Studenten und Schüler für Service und Küchenhilfe, mit klarer Angabe des Zeitraums
- Quereinsteiger — aber nur für Positionen, in denen das realistisch ist, nicht für den Küchenchef
Und die Anzeige muss den Zeitpunkt aufgreifen: „Start ab sofort möglich" ist im Mai ein Argument, im März ein Detail. Wenn du Unterkunft stellst, gehört das jetzt in die erste Zeile.
Häufige Fragen
Wann sollte ich mit der Suche nach Saisonpersonal beginnen?
Acht bis zehn Wochen vor Saisonbeginn. Für einen Start Anfang Juni heißt das Ende März. Ausschlaggebend ist die Kündigungsfrist der Kandidaten, nicht die Laufzeit der Kampagne.
Lohnt sich eine Kampagne noch vier Wochen vor Saisonbeginn?
Für Service, Küchenhilfe, Reinigung und Rezeption häufig ja — dort gibt es kurzfristig verfügbare Kandidaten. Für Küchenchef, Sous Chef oder Serviceleitung ist der Zeitraum unrealistisch, weil diese Kandidaten gebunden sind.
Wie halte ich Saisonkräfte für die nächste Saison?
Indem du beim Abschied fragst und im Januar erinnerst — mit einem konkreten Angebot statt einer allgemeinen Anfrage. Das ist die günstigste Besetzung, die es gibt, und sie wird regelmäßig vergessen.
Muss ich Unterkunft anbieten?
Für Kandidaten aus der Region nicht. Sobald du überregional suchst, ist die Unterkunft der Punkt, an dem sich entscheidet, ob jemand überhaupt antwortet.
Geschrieben von
Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerhard Reisinger
Promovierter Automatisierungsforscher (TU Wien), davor Fraunhofer Austria. Baut seit 2022 Recruiting-Kampagnen und die KI dahinter.
- Dissertation TU Wien 2022 — „Entwicklung eines Vorgehensmodells zur automatisierten Informationsversorgung visueller Werkerführungssysteme"
- 318 Zitationen, h-Index 6 (Google Scholar, Stand 30.07.2026)
- Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer Austria — MMAssist II, Pilotfabrik Industrie 4.0 der TU Wien