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Wintersaison besetzen, bevor der erste Schnee liegt

Wer im November Saisonpersonal sucht, sucht gegen alle anderen gleichzeitig. Der richtige Startzeitpunkt liegt Wochen früher — und der Grund dafür ist einfach.

Dr. Gerhard Reisinger Geschäftsführer SocialTalents

· aktualisiert 06.08.2026 · 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Der brauchbare Startzeitpunkt für die Wintersaison liegt acht bis zehn Wochen vor Saisonbeginn — für einen Start Anfang Dezember also Anfang Oktober.
  • Der Grund ist nicht die Kampagnendauer, sondern die Kündigungsfrist des Kandidaten: Wer wechselt, braucht Vorlauf.
  • Im November suchen alle gleichzeitig. Dieselbe Anzeige kostet dann mehr und bringt weniger, weil die Zielgruppe von mehreren Seiten angesprochen wird.
  • Späte Suche ist nicht aussichtslos, verschiebt aber die Zielgruppe: von Wechslern zu Saisonprofis, Quereinsteigern und Rückkehrern.
  • Wer im Winter besetzt, sollte im selben Zug an den Sommer denken: Ein Kandidat, der beide Saisonen abdeckt, ist zweimal besetzt.

In Tirol, Salzburg und Vorarlberg beginnt die Wintersaison je nach Haus zwischen Ende November und Mitte Dezember. Die meisten Betriebe fangen Anfang November an, ernsthaft zu suchen. Das sind vier bis sechs Wochen — und in diesen Wochen suchen alle.

Der Zeitpunkt ist der am stärksten unterschätzte Hebel bei Saisonstellen. Er kostet nichts, er verlangt keine bessere Anzeige, und er entscheidet trotzdem über einen erheblichen Teil des Ergebnisses.

Warum acht bis zehn Wochen#

Die Rechnung ist einfach, wenn man sie rückwärts aufstellt. Für einen Saisonstart am

  1. Dezember:
SchrittDauerrückwärts gerechnet
Kampagne läuft, Bewerbungen kommen1–3 Wochenab Anfang Oktober
Telefonate, Probearbeiten, Zusage1–2 WochenMitte bis Ende Oktober
Kündigungsfrist beim aktuellen Arbeitgeber2–6 WochenNovember
Anreise, Zimmer, Anmeldungwenige TageEnde November

Der entscheidende Posten ist die Kündigungsfrist. Wer heute in einem anderen Betrieb steht — und das sind die Kandidaten, die du willst —, kann nicht nächste Woche anfangen. Wer erst im November sucht, sucht damit automatisch in einer schlechteren Gruppe: bei denen, die sofort können.

Was im November passiert#

Ab Anfang November laufen in den Tourismusregionen sehr viele Kampagnen gleichzeitig, und sie zielen auf dieselben Menschen. Zwei Effekte davon merkt man direkt:

Die Anzeige wird teurer. Werbeplätze im Feed werden versteigert. Wenn viele Betriebe dieselbe Zielgruppe ansprechen, steigt der Preis je Einblendung. Dasselbe Budget kauft weniger Sichtbarkeit.

Die Zielgruppe ist gesättigt. Ein Koch in einem Tiroler Tal hat Anfang November möglicherweise schon fünf Anzeigen gesehen und zwei Anrufe bekommen. Deine Anzeige ist die sechste. Anfang Oktober wäre sie die erste gewesen.

Beides zusammen heißt: Derselbe Aufwand bringt im Oktober mehr als im November. Das ist der ganze Punkt.

Wenn es schon spät ist#

Ehrlicherweise: Die meisten lesen so einen Beitrag, wenn es bereits knapp ist. Dann gilt es, die Erwartung zu verschieben statt die Kampagne zu vergrößern.

Die Zielgruppe wechselt. Wer im November sucht, findet seltener den Wechsler mit Kündigungsfrist und häufiger:

  • Saisonprofis, die von Sommer- auf Wintersaison umsteigen und ohnehin gerade zwischen zwei Stellen sind
  • Rückkehrer, die im Vorjahr schon einmal in der Region gearbeitet haben
  • Quereinsteiger für Service, Küchenhilfe und Reinigung — nicht für Führungspositionen

Die Anzeige muss den Zeitpunkt aufgreifen. „Start ab sofort möglich" ist im November ein Argument, im Oktober ein Detail. Wer Unterkunft stellt, sollte das jetzt in die erste Zeile nehmen: Für jemanden, der kurzfristig anreist, ist das die entscheidende Frage.

Der Radius muss größer werden. Im Oktober reicht die Region. Im November lohnt es sich, über Bundesländer und Grenzen hinaus zu suchen — vorausgesetzt, du kannst Unterkunft bieten. Ohne Unterkunft ist ein größerer Radius wirkungslos.

Was in die Winter-Anzeige gehört#

Saisonstellen haben eigene Entscheidungsgründe. Drei Punkte entscheiden häufiger als das Gehalt:

  1. Unterkunft. Gibt es ein Zimmer, wie sieht es aus, was kostet es, teilt man es? Wer das nicht nennt, wird gefragt — und verliert dazwischen Zeit und Kandidaten.
  2. Saisondauer und Perspektive. Bis wann läuft die Saison? Gibt es die Chance auf Verlängerung oder auf die Sommersaison im selben Haus? Das ist für viele wertvoller als fünfzig Euro mehr.
  3. Dienstplan und freie Tage in der Hochsaison. Genau hier liegt bei Küchenstellen der häufigste Wechselgrund (Koch gesucht). Genau hier trennt sich dein Betrieb von den anderen, und genau hier steht in den meisten Anzeigen nichts.

Wie diese Punkte in eine Anzeige gebaut werden, steht in Was in eine Recruiting-Anzeige gehört.

Der Fehler, der die Saison danach kostet#

Am Ende einer Wintersaison stehen in vielen Häusern dieselben Positionen wieder offen. Das ist teilweise unvermeidlich und teilweise selbst gemacht.

Ein Punkt, der uns bei Kunden immer wieder auffällt: Wer eine Saisonkraft im März verabschiedet, ohne über die nächste Saison zu sprechen, fängt im Oktober wieder bei null an. Ein Haus in Tirol hat uns berichtet, dass zwei Servicekräfte in der zweiten Saison noch da waren — nicht wegen einer Kampagne, sondern weil sie gefragt wurden.

Die billigste Besetzung ist die, die man nicht ausschreiben muss.

Ein praktischer Zeitplan#

ZeitpunktWas ansteht
Ende AugustBedarf festlegen: welche Positionen, wie viele, ab wann
Mitte SeptemberRückkehrer aus der Vorsaison anrufen, bevor die Kampagne startet
Anfang OktoberKampagne für die Kernpositionen starten
Ende OktoberZusagen für Führungspositionen abschließen
NovemberNachbesetzung, Quereinsteiger, kurzfristige Kräfte
DezemberKampagne beenden, sobald besetzt — nicht laufen lassen

Der letzte Punkt ist kein Detail: Eine Kampagne, die nach der Besetzung weiterläuft, kostet Budget und produziert Bewerber, denen niemand absagt. Das schadet mehr, als es nützt.

Häufige Fragen

Wann sollte die Kampagne für die Wintersaison starten?

Acht bis zehn Wochen vor Saisonbeginn. Für einen Start Anfang Dezember heißt das Anfang Oktober. Ausschlaggebend ist nicht die Laufzeit der Kampagne, sondern die Kündigungsfrist der Kandidaten.

Lohnt sich eine Kampagne noch, wenn die Saison in drei Wochen beginnt?

Für Service, Küchenhilfe, Reinigung und Rezeption häufig ja — dort gibt es kurzfristig verfügbare Kandidaten. Für Küchenchef, Sous Chef oder Serviceleitung ist der Zeitraum unrealistisch, weil diese Kandidaten fast immer gebunden sind.

Muss ich Unterkunft anbieten?

Für Kandidaten aus der Region nicht. Sobald du über die Region hinaussuchst, ist die Unterkunft der Punkt, an dem sich entscheidet, ob jemand überhaupt antwortet. Ein größerer Radius ohne Unterkunftsangebot bringt in der Praxis wenig.

Wie viele Bewerbungen sind für eine Saisonstelle realistisch?

In einer Tourismusregion mit ausreichend Betrieben liegen Service- und Küchenstellen erfahrungsgemäß bei 20 bis 25 Bewerbungen im Monat. Bei Führungspositionen und in dünn besiedelten Tälern deutlich darunter — dafür mit höherer Trefferquote.

Hotellerie Saison Gastronomie

Geschrieben von

Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerhard Reisinger

Promovierter Automatisierungsforscher (TU Wien), davor Fraunhofer Austria. Baut seit 2022 Recruiting-Kampagnen und die KI dahinter.

  • Dissertation TU Wien 2022 — „Entwicklung eines Vorgehensmodells zur automatisierten Informationsversorgung visueller Werkerführungssysteme"
  • 318 Zitationen, h-Index 6 (Google Scholar, Stand 30.07.2026)
  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer Austria — MMAssist II, Pilotfabrik Industrie 4.0 der TU Wien
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