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Dezember ist die beste Recruiting-Zeit des Jahres

„Im Dezember bewirbt sich niemand" ist der am weitesten verbreitete Irrtum im Recruiting-Jahr. Tatsächlich ist es einer der besten Monate.

Kurz gesagt

  • „Im Dezember bewirbt sich niemand" ist eine Annahme, keine Beobachtung. Unsere Erfahrung ist das Gegenteil.
  • Drei Gründe sprechen für den Dezember: weniger Wettbewerb um Aufmerksamkeit, mehr freie Zeit am Handy, und der Jahreswechsel als Wechselanlass.
  • Menschen sind im Feed unterwegs, wenn sie frei haben — Feiertage und Urlaub sind deshalb keine toten Zeiten, sondern gute.
  • Der Januar ist der schlechtere Monat: Dann suchen alle gleichzeitig, und dieselbe Sichtbarkeit kostet mehr.
  • Praktische Konsequenz: Kampagne im Dezember starten, Gespräche im Januar führen. Nicht umgekehrt.

Jedes Jahr Anfang Dezember hören wir denselben Satz: „Jetzt macht das keinen Sinn mehr, das verschieben wir auf Januar." Die Annahme dahinter ist, dass in der Vorweihnachtszeit niemand an einen Jobwechsel denkt.

Diese Annahme ist verständlich und nach unserer Erfahrung falsch. Wir schalten seit Jahren auch im Dezember Kampagnen, und der Monat gehört nicht zu den schwachen.

Grund 1: Weniger Wettbewerb#

Werbeplätze im Feed werden versteigert. Wenn viele Unternehmen dieselbe Zielgruppe ansprechen wollen, steigt der Preis je Einblendung — dasselbe Budget kauft weniger Sichtbarkeit.

Im Dezember ist das Bild gemischt: Der Handel wirbt stark, aber im Recruiting ist es ruhig, weil viele Betriebe genau der Annahme oben folgen. Deine Stellenanzeige konkurriert also mit weniger anderen Stellenanzeigen um dieselben Menschen.

Im Januar dreht sich das um. Dann starten alle gleichzeitig — mit neuem Budgetjahr, neuen Plänen und derselben Idee.

Grund 2: Menschen sind am Handy, wenn sie frei haben#

Das ist der Punkt, den man am leichtesten übersieht. Eine Feed-Anzeige erreicht Menschen nicht bei der Arbeit, sondern in der Freizeit. Und Freizeit gibt es im Dezember reichlich: Feiertage, Urlaubstage, lange Abende, Wartezeiten.

Wir beobachten denselben Effekt im Sommer, und er ist der Grund, warum wir dem „Sommerloch"-Argument widersprechen (Sommerloch im Recruiting? Genau umgekehrt). Die Logik ist identisch: Wer frei hat, ist eher am Handy — nicht weniger.

Für Gastronomie und Hotellerie gilt eine Einschränkung: Dort ist Dezember Hochsaison, die Zielgruppe arbeitet also gerade besonders viel. Das verschiebt eher die Tageszeit als die Menge — Rückrufe zwischen 15 und 16.30 Uhr funktionieren dann besser als abends.

Grund 3: Der Jahreswechsel ist ein Wechselanlass#

Zum Jahresende ziehen Menschen Bilanz. Das ist kein Klischee, sondern in der Personalsuche ein handfester Vorteil: Wer im Dezember zum dritten Mal Weihnachten durcharbeitet, während der Dienstplan wieder erst am 20. steht, denkt anders über seinen Job als im Mai.

Dazu kommt die Mechanik der Kündigungsfristen. Wer zum 31. Dezember oder 31. Januar kündigen will, entscheidet sich im Dezember — nicht danach. Wer erst im Januar mit der Suche beginnt, kommt für diese Runde zu spät und wartet auf die nächste.

Was im Dezember anders läuft#

Drei Dinge sollte man anpassen:

Die Ansprache darf den Zeitpunkt aufgreifen. Nicht mit Weihnachtsmotiven — die wirken schnell aufgesetzt. Sondern inhaltlich: „Wie sieht dein Dienstplan zwischen den Jahren aus?" ist im Dezember eine Frage, die trifft.

Rückrufe brauchen mehr Geduld (warum die ersten 72 Stunden zählen). Zwischen den Feiertagen ist niemand verlässlich erreichbar. Statt drei Versuche in drei Tagen also fünf Versuche über zwei Wochen, zu verschiedenen Tageszeiten.

Der Gesprächstermin darf im Januar liegen. Das ist völlig in Ordnung und oft sogar angenehmer für beide Seiten. Wichtig ist nur, dass der Termin im Dezember vereinbart wird — ein „wir melden uns im neuen Jahr" verliert die Hälfte der Kandidaten.

Wann der Dezember nicht funktioniert#

Der Ehrlichkeit halber die Ausnahmen:

  • Wenn im Betrieb niemand Zeit hat. Ein Gastronomiebetrieb im Dezember hat andere Probleme als Bewerbertelefonate. Wenn absehbar ist, dass die Bewerbungen liegen bleiben, ist der Januar tatsächlich besser — nicht wegen der Kandidaten, sondern wegen dir.
  • Bei Positionen, die sofort besetzt sein müssen. Zwischen den Feiertagen dauert alles länger: Rückrufe, Zusagen, Anmeldungen. Wer jemanden zum 1. Januar braucht, hätte im Oktober anfangen müssen.
  • Bei Führungspositionen mit langer Kündigungsfrist. Da spielt der Monat ohnehin eine kleinere Rolle als der Zeitraum insgesamt.

Was daraus für die Jahresplanung folgt#

Wenn man die Monate danach sortiert, wie viel Sichtbarkeit ein Budget einkauft und wie aufnahmebereit die Zielgruppe ist, ergibt sich ein Bild, das der verbreiteten Vorstellung ziemlich genau widerspricht:

ZeitraumEinschätzung
Dezemberwenig Recruiting-Wettbewerb, viel Freizeit, Wechselanlass — gut
Januaralle starten gleichzeitig, teurer — durchschnittlich
Februar bis Maisolide, planbar
Juni bis Septemberentgegen dem Ruf gut, weil Urlaubszeit = Bildschirmzeit
Oktober/Novemberfür Saisonbetriebe die Kernzeit, entsprechend umkämpft

Das ist eine Erfahrungseinschätzung aus unseren eigenen Kampagnen, keine Marktstudie. Aber sie ist konsistent genug, dass wir Kunden regelmäßig davon abraten, den Dezember auszulassen.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Recruiting-Kampagne im Dezember?

Nach unserer Erfahrung ja. Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit im Recruiting ist geringer, die Zielgruppe hat mehr freie Zeit, und der Jahreswechsel ist ein natürlicher Wechselanlass. Voraussetzung ist, dass jemand im Betrieb die Bewerbungen bearbeiten kann.

Bewerben sich zwischen Weihnachten und Neujahr wirklich Leute?

Ja. Die Bewerbungen kommen, die Erreichbarkeit für Rückrufe ist in dieser Woche aber schlecht. Praktisch heißt das: Bewerbungen einsammeln, Telefonate ab der ersten Januarwoche.

Sollte ich die Kampagne über die Feiertage pausieren?

Meist nicht. Wenn du sie pausierst, verlierst du die Lernphase des Algorithmus und musst nach dem Neustart wieder von vorne beginnen. Sinnvoller ist, das Tagesbudget leicht zu senken und durchlaufen zu lassen.

Was ist der beste Monat für Recruiting?

Es gibt keinen. Es gibt nur Monate, in denen viele gleichzeitig suchen — und die sind teurer. Wichtiger als der Monat ist der Vorlauf zur Kündigungsfrist deiner Wunschkandidaten.

Saison Grundlagen Timing

Geschrieben von

Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerhard Reisinger

Promovierter Automatisierungsforscher (TU Wien), davor Fraunhofer Austria. Baut seit 2022 Recruiting-Kampagnen und die KI dahinter.

  • Dissertation TU Wien 2022 — „Entwicklung eines Vorgehensmodells zur automatisierten Informationsversorgung visueller Werkerführungssysteme"
  • 318 Zitationen, h-Index 6 (Google Scholar, Stand 30.07.2026)
  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer Austria — MMAssist II, Pilotfabrik Industrie 4.0 der TU Wien
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